Er war ein kluger Mann

Wie kann unser Gotteshaus eine Pforte des Himmels werden?         (Originalfassung Wiedergegeben!)

Aus der Antrittspredigt über Apg. 2, V. 42, am 11.Dezember 1877 ( Pastor Remmer Janssen )

 

"Wenn ich jetzt nach meinem Gang vom Altar zur Kanzel Euch zurufen soll, was mein Herz bewegt, so muß ich ausrufen: "O wie heilig ist diese Stätte, hier ist nichtsanders denn Gottes Haus und die Pforte des Himmels." Ja wirklich, dieses G o t t e s h a u s ist ein G o t t e s h a u s, ein Beth-el. Das Gotteshaus ist für uns die Pforte, die enge Pforte des Himmels. Aber damit ist nicht gesagt, daß alle, die in dies Gotteshaus gehen, damit in den Himmel gehen, als wenn wir mit unserem Kirchengehen den Himmle verdienen könnten. Nein, dies Gotteshaus ist ja nur d i e  P f o r t e des Himmels, die e n g e Pforte des Himmels, die uns hier geöffnet wird. Wer hier nicht e i n  g e h t durch die enge Pforte sondern vor der engen Pforte, obgleich sie weit genug geöffnet ist, s t e h e n  b l e i b t, geht hier nicht zum Himmel ein, wenn er auch sein Leben lang jeden Sonn- und Festtag zur Kirche geht. Nicht jeder geht in den H i m m m e l ein, der ins Gotteshaus geht, aber wer gerne einmal in den H i m m e l eingehen möchte, der geht sein Leben lang gern ins G o t t e s h a u s. Die K i r c h e bringt uns nicht in den H i m m e l, aber der H i m m e l bringt uns in die K i r c h e, und wen der H i m m e l nicht in d i e K i r c h e bringt, d e n bringt d i e  K i r c h e nicht i n  d e n  H i m m e l. Darum kommt denn von heute an in die Kirche m i t  d e m  H i m m e l im Herzen, mit einem himmlischen Verlangen und Sinn, sooft die Kirchentüren geöffnet werden. Ich kann mir denken, daß Ihr in der ersten Zeit fleißi und zahlreich zur Kirche kommen werdet. Denn in der ersten Zeit, wenn ein neuer Pastor kommt, kommen viele aus N e u g i e r d e zur Kirche. Wird diese N e u g i e r d e nicht zur B e g i e r d e, dann ist es mit der Neugierde bald vorbei. Die Neugierde ist eine Eintagsfliege und hat ein k u r z e s  L e b e n, gewöhnlich nur einen Tag lang. Darum ist's nicht genug, wenn Ihr heute und in der ersten Zeit ins Gotteshaus kommt. Ihr müßt von heute an immer kommen. Nicht genug, daß wir heute einen guten Anfang machen, es muß auch so b l e i b e n und auch immer b e s s e r  w e r d e n. Hierzu haben wir nichts nötig als B e s t ä n d i g k e i t. Zu solcher Beständigkeit ermahnt uns der verlesene Text. So laßt euch denn, Geliebte, nach Anleitung unseres Textes heute bei meinem Eintritt zur B e s t ä n d i g k e i t ermahnen und Euch unter Gottes Gnadenbeistand zurufen:

Bleibt beständig!

1. Bleibt beständig in der Apostel Lehre!

2. Bleibt beständig in der Gemeinschaft!

3. Bleibt beständig im Brotbrechen!

4. Bleibt beständig im Gebet!

1. B l e i b t b e s t ä n d i g i n d e r A p o s t e l L e h r e - so heißt es in unserem Text von den ersten Christen. Aber bevor dies von den ersten Christen gesagt werden konnte, war etwas anderes mit ihnen vorgefallen. S i e  h a t t e n  P f i n g s t e n  g e f e i e r t,  s i e  h a t t e n  B u ß e  g e t a n  ü b e r  i h r e  S ü n d e n,  w a r e n  g l ä u b i g  g e w o r d e n  a n  d e n  H e r r n  J e s u m,  s i e  h a t t e n  V e r g e b u n g  d e r  S ü n d e n  u n d  d e n  H e i l i g e n  G e i s t  e m p f a n g e n. Dies alles muß erst mit Euch geschehen sein, bevor ich euch sagen kann: Bleibet in der Apostel Lehre, denn solange dies nicht an Euch erfüllt ist, solange s e i d Ihr nicht in der Apostel Lehre, und wie könnt Ihr dann drin b l e i b e n? Sagt an: Habt Ihr denn alle ohne Ausnahme Buße getan? Seid Ihr alle gläubig geworden? Habt Ihr alle Vergebung der Sünden und den Heiligen Geist empfangen? Alle? "Ach nein", müssen die meisten klagen "was wollten wir wohl?" Bekennt's nur gerade so, wie's ist: Laßt's Euch nur sagen, wie's mit Euch steht. Nicht wahr, Ihr seid alle getauft, konfimiert, seid auch einmal mit Christi Leib und Blut gespeist, weil's so Sitte ist, aber ohne gründliche Buße, ohne lebendigen Glauben an den Heiland, an Vergeltung und Gericht habt Ihr so in den Tag hinein gelebt und ganz nach Eurem Fleischessinn in dem alten Naturzustand Euer bisheriges Leben hingebracht, ohne einmal auch nur zu fragen: "Was will das werden?!" O, Ihr armen unglücklichen Seelen, bleibet stehen und höret doch und vernehmt der Apostel Lehre! Die Apostel lehren uns, daß wir allesamt Kinder des Zorns sind von Natur, daß wir allzumal Sünder sind, daß wir ohne den gekreuzigten und auferstandenen Heiland ewig verloren und verdammt sind. Sie lehren uns aber auch, daß Jesus für uns gestorben und auferstanden ist, daß wir durch ihn von allen unseren Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels erlöst sind. Darum tut Buße und glaubet an den Herrn Jesum Christum, so werdet Ihr empfangen Vergebung der Sünden und die Gabe des Heiligen Geistes. I s t  d a s  g r o ß e  W u n d e r  d e r  P f i n g s t e n  a n  e u c h  g e s c h e h e n,  d a n n : " B l e i b e t  i n  d e r  A p o s t e l  L e h r e!"  Es ist ein großer Unterschied, ob ich in einem Hause a l s  E i g e n t ü m e r  oder a l s  M i e t s m a n n e  L e h r e  oder als  v o l l e s  L e b e n, als  R e d e n s a r t  oder als  L e b e n s a r t, und das ist ein großer Unterschied. Darum bleibet in der Apostel Lehre, aber bleibet  r e c h t  drin. Bleibt nicht so drin, daß der Apostel Lehre ein toter Buchstabe ist, der Euch tötet, oder eine laue Redensart, die Ihr im Munde führt, bei der aber weder Hand noch Fuß sich rührt. Nein, bleibet so drin, daß Euch der Apostel Lehre zur Lebensart wird. Es ist ein Krebsschaden der heutigen Christenheit, daß das Christentum jetzt k e i n e  L e b e n s a r t  sondern n u r  e i n e  R e d e n s a r t  ist. Der apostolische Glaube wird mit dem Munde in allen Gotteshäusern bekannt, aber nicht mir dem Herzen geglaubt. Man glaubt seinen Glauben nicht und lebt seines Glaubens nicht. Man r e d e t  i m  L e b e n  v o n  W e l t v e r l e u g n u n g  und  l e b t  i n  a l l e r  W e l t f ö r m i g k e i t  u n d  W e l t s e l i g k e i t  d a h i n.  Man  r e d e t  v o n  O p f e r f r e u d i g k e i t  und  l e b t  i m  ä r g s t e n  G e i z. Wollt Ihr so in der Apostel Lehre bleiben, dann seid Ihr noch nie drin gewesen. Nein, bleibet r e c h t in der Apostel Lehre. Wenn ich Euch in Zukunft der Apostel Lehre predige, daß Ihr verdammt seid ohne den Heiland, dann g l a u b t Euren Glauben und  l e b t  uren Glauben i n  W e l t - u n d  S e l b s t v e r l e u g n u n g  i n  O p f e r f r e u d i g k e i t. Weiter bleibt  b e s t ä n d i g  in der Apostel Lehre. Wenn der Teufel Euch die Buße anfechten will mit Zweifel, Unglauben, wenn die Welt Euch verfolgt mit Spott und Hohn, wenn Euer eigenes Fleisch Euch quält mit Trägheit und Unlust, bleibet beständig! Ganz besonders auch, wenn Leute kommen und wollen Euch mit Menschenpfündlein von der reinen Apostel-lehre ablocken, bleibet beständig! Wenn Ihr aber fühlt, daß Ihr allein nicht standhalten könnt, so hört denn

2. B l e i b e t  b e s t ä n d i g  i n  d e r  G e m e i n s c h a f t! Es wird in unserer Zeit viel darüber geklagt, daß es so viele Spaltungen und Sekten in unserer Kirche gibt. Die Klage ist begründet. Aber worin liegt der Grund? Es fehlt an der Gemeinschaft in den Gemeinden. Jeder Christ ist ein Christ für sich. Daher kommt das tote Wesen, das kalte Wesen. Wenn ein Feuer auseinandergeworfen wird, so ist's bald ausgegangen, bleibt's aber zusammen, so brennt's länger. Darum, meine Lieben, mehr Gemeinschaft! Lasset uns mehr Gemeinschaft pflegen in Versammlungen, im täglichen Umgang. Damit Ihr aber zum Bleiben in der Apostel Lehre und zur Gemeinschaft möget gestärkt werden, höret

3. B l e i b e t  i m  B r o t b r e c h e n ! Es gibt so viele Christen, die gerne an der Himmelsleiter hinaufsteigen möchten, aber sie können nicht hinauf - sie haben keine Kraft. Woher kommt das? Sie bleiben nicht im Brotbrechen. Das Brot gibt Kraft. Darum bleibet im Brotbrechen: Seid Ihr bis jetzt im Brotbrechen geblieben? Ich fürchte, die meisten werden bekennen müssen: Ach ja, ich habe einmal, als ich konfimiert wurde, das gesegnete Brot des Abendmahls genossen, aber seitdem nicht wieder. O mein Christ, wärest Du doch drin geblieben! Denn ich weiß, es ist mit Dir zurückgegangen, seitdem Du das gesegnete Brot nicht gebrochen, Du bist kraftlos und schwach geworden, darum kehre wieder und komme zum Tisch des Herrn, das Brot zu brechen. Sieh, wenn Dein Heiland seinen Leib hat für Dich brechen lassen im Tode, so solltest Du nicht kommen, das Brot zu brechen in seinem Abendmahl? Sieh!, wenn Du hier auf Erden das Brot nicht essen wirst, so wirst Du es auch nicht essen im Reiche Gottes. Darum kommt und bleibet im Brotbrechen! Ja, wenn Ihr einmal geschmeckt habt und gesehen, wie freundlich der Herr ist, so werdet Ihr bleiben im Brotbrechen, Ihr werdet nicht wieder den Tisch des Herrn verlassen. Wenn Ihr auch manchmal Euch unwürdig fühlen möget, so betet, daß Ihr würdig werdet und kommt. Bleibt nicht weg vom Tisch des Herrn sondern: Bleibet im Brotbrechen bis an Euer Ende, bis Ihr droben das große Abendmahl halten werdet. Wenn Ihr so die Gnadenmittel des Worts und Sakraments in rechter Gemeinschaft gebraucht und beständig bleibet in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft und im Brotbrechen, so wird Euch das Gotteshaus gewiß zur Pforte des Himmels. Damit Ihr aber diese Gnadenmittel recht gebrauchen könnt, möchte ich Euch noch ein Mittel empfehlen, das auch zum rechten Gebrauch helfen kann, nämlich das Gebet, und sagen

4. B l e i b e t  b e s t ä n d i g  i m  G e b e t! Ihr betet gewiß alle, denn Beten ist das erste, was ein Sünder tut, und das letzte, was er läßt, d. h., solange Gottes Geist in ihm wirkt. Aber Beten und Beten ist zweierlei. Manche beten wie der Prophet klagt: Ihr nahet Euch zu mir mit den Lippen, aber mit dem Herzen seid Ihr ferne von mir. Das ist so, wie der Heiland sagt, daß sie plappern wie die Heiden und meinen, daß sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen. Darum recht beten! Der Apostel sagt:"Ohne Unterlaß." Ihr betet vielleicht am Abend und am Morgen, wenn Ihr euch niederlegt und aufsteht, aber bei der Arbeit wird das Beten unterlassen. Das ist verkehrt. Beten und arbeiten heißt nicht, erst beten und wenn das Beten abgemacht ist, dann arbeiten, nein, sondern beten und arbeiten zugleich. Wer bei der Arbeit Gott ruft an, wird finden, daß er wohlgetan. Darum bleibet im Gebet. A b e r f ü r  w e n  d e n n? Da mögt Ihr mit Euch selber anfangen. Dann betet für die Euren, für Mann und Weib und Kind, für Knecht und Magd, für Freund und Nachbar, für die Gemeinde, für die Kranken, Armen, Alten und Sterbenden, für Prediger und Lehrer, für Heiden, Juden und Türken, für Verfolger und Feinde, für alle Menschen. Ganz besonders bitte ich einen jeden von Euch: Betet für mich! So laßt uns bleiben im Gebet, damit täglich Tausende von Gebeten zum Gnadenthron Gottes emporsteigen. Dann wird das Gebet auch zur Himmelsleiter und das Gotteshaus zur Himmelspforte. Darum bleibet im Gebet! Tut Ihr das, so werdet Ihr das andere nicht lassen können, Ihr werdet auch bleiben in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft und im Brotbrechen.So laßt uns denn zum Schluß die Hände ineinanderlegen - legt Eure Hand in meine Hand - ich lege meine Hand in des Herrn Hand und laßt uns geloben: Ja, wir wollen beständig bleiben in der Apostellehre, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet, ja, mit Gottes Hilfe! Laßt uns darauf singen: Die wir uns allhier beisammenfinden, schlagen unsere Hände ein, uns auf deine Marter zu verbinden, Dir auf ewig treu zu sein, und zum Zeichen, daß dies Lobgetöne deinem Herzen angenehm und schöne, sage Amen und zugleich:

Friede! Friede! sei mit Euch! Amen! Amen!"


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